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Die Böblinger Pirschgänge Quelle: "Denkmale in der Nachbarschaft - gesehen und besucht im Kreis Böblingen", Röhm Verlag, Sindelfingen 1990Autor: Dr. Günter Scholz | ||||
Bild: Der nördliche Zugang zu den Pirschgängen ist heute zugemauert. Die Inschrift auf der Gedenktafel weist auf Baujahr und Erbauer ihn und lautet folgendermaßen: "AUF BEFEHL SR. HOCHFIRSTL. DURCHL. HERRN CARL ALEXANDER HERTZOGEN ZU WIRTTEMBERG UND TÖCKH HAT DIESES GEBÄU VERFÖRTIGEN LASSEN CARL MAGNUS VON SCHAUROTH: CAMMERJUNKER UND FORSTMEISTER: JOHANN NICOLAUS CRAFT V.K. ZU B.G. ANNO 1737" (Aus: D. Kapff/R. Wolf: Kleindenkmale in Baden-Württemberg, Stuttgart, 2000) Auf Böblinger Markung befindet sich ein einzigartiges steinernes Zeugnis der höfischen Kultur und Jagdleidenschaft der Rokokozeit: Die von Herzog Carl Alexander (1733 bis 1737) angelegten Pirschgänge.Herzog Carl Alexander, der zum Katholizismus konvertiert war, hatte sich in den Türkenkriegen des früheren 18. Jahrhunderts hervorgetan, unter anderem in der Schlacht bei Peterwardein (1716). Seine Hofhaltung war der Zeit entsprechend aufwendig. Sein Finanzier war der später hingerichtete Josef Süß-Oppenheimer. Aufwendige Hoffeste Als Jagdliebhaber hatte Carl Alexander im Böblinger Schloss eigens einen Ballsaal einrichten lassen, in dem nach Verrichtung des Waidwerks aufwendige Hoffeste gefeiert wurden. Böblingen erlebte so einen schwachen Abglanz von Residenzkultur der Rokokozeit. Die Pirschgänge liegen im Böblinger Stadtwald östlich der Stadt zwischen dem Gewann "Beim Roten Mann" und "Schelmenhau". Das weitläufige Gängesystem befindet sich in dem wildreichen, als "Plan" bezeichneten Gelände. Besondere Merkwürdigkeit Die Anlage fand bereits das Interesse des Verfassers der Oberamtsbeschreibung von 1850: "Eine besondere Merkwürdigkeit sind die unterirdischen Pirschgänge, welche Herzog Carl Alexander 1737 unter dem damaligen Oberforstmeister zu Böblingen von Schauroth durch den Baumeister Nicolaus Kraft auf dem sogenannten Plan (1 Stunde östlich von Böblingen) anlegen ließ. Sie sind aus Quadern massiv gewölbt 7' (Fuß) hoch und 4 ½' (Fuß) breit und haben vom Eingang an der Planklinge bis zum Ausgang an der Kastenklinge eine Länge von 943 Schritten, ein Seitengang ist 253 Schritte lang. Die Gewölbe, welche zu beiden Seiten Schießscharten haben, sind zum Teil eingerissen und eingefallen." ![]()
Bild: Skizze der Gesamtanlage. Am nördlichen Ende befindet sich der Eingang, dort steigt der Gang auf einer Länge von 108 m 16 m hoch an, um von diesem höchsten Punkt aus nach Osten und Süden wieder abzufallen (Aus: E. Eckleben: Die unterirdischen Pirschgänge im ehem. Böblinger Stadtwald am Plan. In: Aus Schönbuch und Gäu, 12/1961) - klicken Sie in das Bild, um es zu vergrößern
Von dem erhalten gebliebenen Eingang an der "Planklinge" steigt der Gang auf einer Länge von etwa 100 Metern auf den "Plan" an, knickt dann gegen Osten ab und verläuft 110 Meter geradlinig. Danach führt der Gang in südöstlicher Richtung nach 220 Metern zu einem früheren, gemauerten Ausgang. Der Hauptgang wird durch Nebengebäude ergänzt.
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Wichtiger Hinweis zur Besichtigung: Achtung - die Pirschgänge liegen auch heute noch auf Militärgelände. Wer die Anlage besichtigen möchte, sollte sich unbedingt beim Baurechtsamt der Stadt Böblingen anmelden, um eine Zuganggenehmigung zu beantragen. Telefonische Anfragen bitte unter: 07031 - 669 511 Per e-mail unter: wein@boeblingen.de Mit freundlicher Genehmigung des Autors, Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung und der Konrad Theiss Verlags GmbH Stuttgart Literaturhinweis: Ewald Eckleben Die unterirdischen Pirschgänge im ehemaligen Böblinger Stadtwald am Plan - ein Bildbericht In: Aus Schönbuch und Gäu - Beilage des Böblinger Boten, 12/1961 Dieter Kapff / Reinhard Wolf Steinkreuze, Grenzsteine, Wegweiser... Kleindenkmale in Baden-Württemberg Herausgegeben vom Schwäbischen Heimatbund, Konrad Theiss Verlag GmbH Stuttgart, 2000 176 Seiten mit ca. 200 meist farbigen Abbildungen, S. 51-54 ISBN 3 8062 1460 3 Stadt Böblingen Diese Seite drucken |
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